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Der Wald als Fundament für frühkindliche Lernprozesse

Wie wirkt Naturpädagogik?

Die Naturpädagogik im frühkindlichen Bereich hat sich seit den Anfängen stark entwickelt. War diese zunächst sehr auf Naturbildung im engeren Sinne fokussiert, fliessen in den letzten Jahren zunehmend Erkenntnisse aus anderen Feldern wie der Entwicklungspsychologie, Lernforschung und neurologischen Hirnforschung in die Ausbildung ein. Fachexperten wie Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther hinterlassen ihre Spuren in der schweizerischen Naturpädagogik wie auch im pädagogischen Mainstream. Wir stehen hier am Anfang einer neuen Entwicklung: Neuere Studien belegen den positiven Einfluss der Natur auf die frühkindliche Entwicklung. Es ist unbestritten, dass regelmässige Aufenthalte im Freien die gesamte Wahrnehmungsorganisation und damit das natürliche Zusammenspiel aller Sinnesmodalitäten, welche Voraussetzung für das Lernen ist, fördern. Dies wirkt sich auf die Entwicklung der Grob-und Feinmotorik, des Gleichgewichts, des räumlich-abstrakten Denkens positiv aus und festigt ein gesundes Selbstvertrauen und eine erfahrbare Selbstwirksamkeit.

Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen der Waldkinder St. Gallen, dass das gemeinsame Erleben und Spielen in der Natur die sprachliche und emotionale Entwicklung und damit das Sozialverhalten unserer Kinder nachhaltig fördert. Gemessen an diesen Erkenntnissen und vor dem Hintergrund der zunehmenden Herausforderungen der Regelschule ist die Präsenz der Naturpädagogik in der bildungspolitischen Diskussion stark ausbaufähig. Die circa 20 Waldkindergärten und Waldbasisstufen in der Schweiz können den 5000-Indoor Kindergärten und den Grundstufen dabei als Inspiration dienen. In der Tat nehmen Indoor-Kindergärten und wenige Schulklassen Ideen aus der Naturpädagogik mit Outdoor-Tagen und naturnaher Gestaltung zunehmend auf. Diese Trends gilt es im Interesse der Kinder zu stärken. Wir müssen neue Wege gehen, die Konzepte und Praxiserfahrungen für bereits bestehende Kindergärten und Schulhäuser fruchtbar zu machen, indem wir die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen stärken und die Waldkinderpädagogik stärker in den bildungspolitischen Diskurs einbringen.

Neues Fachforum
Die Waldkinder St. Gallen haben deshalb in Kooperation mit SILVIA, dem WWF und weiteren Partnern unter dem Patronat von ERBINAT das St. Galler Fachforum für Waldkinderpädagogik ins Leben gerufen. Das Fachforum möchte als jährlich wiederkehrende Kommunikations- und Weiterbildungsplattform die Wirkungsweise der Natur- und Waldkinderpädagogik für Fachpersonen und interessierte Anspruchsgruppen vermitteln. Mittelfristig soll es die bestehenden Grenzen zwischen Akteuren aus „Outdoor-“ und „Indoor-“ Pädagogik abbauen und das Lernen voneinander stärken.
Jetzt steht das Programm für die zweite Durchführung am 27. August 2016: Unter dem Leitthema „Spielend Lernen – Naturpädagogik als Basis für Kompetenz- und Wertebildung“ tauschen sich die Teilnehmenden dieses Jahr über Impulsvorträge an der Fachhochschule St. Gallen und in zahlreichen Workshops im Wald aus, wie das freie Spiel die kindliche Kompetenz- und Wertebildung fördern kann. So erfahren die Teilnehmenden z.B. in einem Workshop, wie sich Vorschulkinder aus motiviertem Interesse heraus im Waldkontext rechnerische Kompetenzen aneignen. Seien Sie am 27. August Teil des Forums, bringen Sie sich ein und lernen Sie die Akteure, Konzepte, Qualität und Vielfalt der Waldkinderpädagogik in der Schweiz kennen!

*Herzlichen Dank an Eva Helg, Regula Borrer, Petra Mantz und Dr. Markus Weissert für die kritische Diskussion dieses Blogbeitrages.