In den vielfältigen Verbindungen zwischen den SDGs und erlebnispädagogischen Settings liegt ein grosses Potenzial verborgen: Erlebnispädagogik wird zum methodischen Schlüssel einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
So funktioniert Erlebnispädagogik
Erlebnispädagogik und handlungsorientiertes Lernen setzen auf ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Typische Settings sind Outdoor-Aktivitäten, kooperative Teamaufgaben, Naturerlebnisse und Outdoor-Expeditionen. Ein wichtiges Element ist dabei die Verbindung zwischen Aktivität und Auswertung. Ein Reflexionsbogen beschreibt in 4 Schritten den Weg vom Erlebnis über die Reflexion zur Erfahrung und findet sein Ziel im Transfer von konkreten Handlungen im Alltag und neuen Tätigkeitsbereichen.
Die Agenda 2030 und die SDG’s
Die Agenda 2030 und ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bilden den globalen Handlungsrahmen der Vereinten Nationen für Menschen, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft Sie sind umfassende Leitziele für eine nachhaltige Zukunft. Während für Erlebnispädagogik das Ziel 4 «Hochwertige Bildung» naheliegend im Zentrum steht, sind gleichzeitig weitere Ziele der nachhaltigen Entwicklung Lern- und Entwicklungsfelder, für die Erlebnispädagogik einen konkreten, handlungsorientierten Methodenansatz bietet.
Menschen lernen darin handlungsorientiert durch unmittelbare Erfahrung, Herausforderungen und Reflexion.
In den vielfältigen Verbindungen zwischen den SDGs und erlebnispädagogischen Settings liegt ein grosses Potenzial verborgen: Erlebnispädagogik wird zum methodischen Schlüssel einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Zu welchen SDG’s trägt Erlebnispädagogik bei?
SDG 4: Hochwertige Bildung
Die UNESCO betont, dass Bildung Menschen befähigen soll, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt zu übernehmen (siehe UNESCO). Erlebnispädagogik unterstützt diese Forderung durch erfahrungsbasiertes und reflexives Lernen:
- Entwicklung von Problemlösekompetenzen
- Förderung von Selbstwirksamkeit und Verantwortungsübernahme
- Übungsfeld zentraler Nachhaltigkeitskompetenzen wie kritisches Denken, Kooperation und Reflexion
Weitere Handlungsfelder der Erlebnispädagogik in den SDGs
SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen
Erlebnispädagogik fördert körperliche Aktivität, psychische Resilienz und soziale Gesundheit. Naturerfahrungen sowie das Bewältigen von Herausforderungen zusammen mit anderen stärken das Wohlbefinden und die mentale Widerstandsfähigkeit.
Mögliche Beiträge der Erlebnispädagogik
- Stärkung von Resilienz und Selbstvertrauen
- Bewegungsförderung im Freien
- Entwicklung sozialer Unterstützungssysteme in Gruppen
SDG 10: Weniger Ungleichheiten und SDG 16 Frieden, Gerechtigkeit
Handeln in erlebnispädagogischen Settings ist ein Übungsfeld für gesellschaftliches Handeln im Grossen. Das Meistern gemeinsame Herausforderungen in der Gruppe fördern Empathie, Konfliktfähigkeit und demokratisches Handeln. Die Vielfalt der Teilnehmenden erfordert differenzierte Lösungen und kooperative Problemlösungen rufen nach Ausgleich von Interessen und Ressourcen.
Mögliche Beiträge der Erlebnispädagogik
- Entwicklung sozialer Kompetenzen
- Übungsfeld für kooperativen Interessens- und Ressourcenausgleich
- Reflexion und Transfer von gerechten Lösungswegen
SDG 12: Nachhaltiger Konsum
Zu vielen erlebnispädagogischen Programmen gehört das Zubereiten und Kochen von Mahlzeiten dazu. Das bietet eine Vielfalt an Themen von nachhaltigem Konsum. Das einfache Leben in der Natur ermöglicht die Entwicklung eines Ressourcenbewusstseins. Outdoor-Ausrüstung bietet sich als Feld der Selbstreflexion über eine Konsummuster an.
Mögliche Beiträge der Erlebnispädagogik
- Einfaches Leben in der Natur als Referenzszenario (Suffizienzerfahrung)
- Ressourcenverbrauch erlebbar machen
- Konsummuster reflektieren
SDG 13: Massnahmen zum Klimaschutz
Die meisten erlebnispädagogischen Angebote finden in naturnahen Räumen statt. Unmittelbare Naturerfahrung tragen dazu bei, ein stärkeres Verständnis ökologischer Zusammenhänge und eine höhere Bereitschaft zum umweltbewussten Handeln zu fördern.
Mögliche Beiträge der Erlebnispädagogik
- Sensibilisierung für Umwelt- und Klimathemen
- Erfahrung von Suffizienz (einfaches gutes Leben)
- Reflexion der eigenen Umweltwirkungen
SDG 15: Leben an Land
Der Schutz von Natur und Ökosystemen erfordert Wertschätzung und Verständnis für natürliche Lebensräume. Erlebnispädagogik ermöglicht intensive Begegnungen mit der Natur und macht Biodiversität erlebbar. Eine umsichtige Planung und Umsetzung von Outdooraktivitäten zeigt exemplarisch ökologische Verantwortung.
Mögliche Beiträge der Erlebnispädagogik
- Entwicklung von Naturverbundenheit durch konkrete Naturerfahrungen
- Sensibilisierung für Biodiversität und Ressourcenschutz
- Leave no trace – Strategien
Fazit
Erlebnispädagogik macht Nachhaltigkeit erlebbar, stärkt Selbst- und Handlungskompetenz und befördert so den Transfer der globalen SDG-Ziele in individuelle und gesellschaftliche Praxis. Eine gezielte didaktische Verzahnung von BNE und Erlebnispädagogik – etwa durch explizite SDG-Bezüge in Reflexionsformaten – kann diese Wirkung weiter systematisieren.
Erlebnispädagogik kann so die abstrakten SDGs in konkrete Erfahrungen übersetzen und damit neben den kognitiven auch die affektiven und psychomotorischen Anteile der Bildung für nachhaltige Entwicklung fördern. Um die SDGs bewusst in die Planung und Umsetzung von Erlebnispädagogik einzubeziehen, benötigt das sowohl ein fundiertes didaktisches Verständnis des handlungsorientierten Lernens in der Natur als auch der Grundlagen Bildung für Nachhaltigkeit.
Weiterlesen:
- Kamer, T. (2018) Bildung für nachhaltige Entwicklung und Erlebnispädagogik. Handbuch Erlebnispädagogik. In Michel, W. und Seidel, H. Handbuch Erlebnispädagogik. Reinhardt Verlag, München S. 81-84
- Kamer, T. (2017) Abenteuer planen? Didaktisches Handeln in Erlebnispädagogik und Outdoortraining. Reinhardt Verlag, München
Abbildung: www.magnific.com/free-vector/hand-drawn-sdg-infographic-infographic_29830257.htm

