Meine persönliche Erfahrungen sowie der Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten und eigene Beobachtungen haben mir immer wieder aufgezeigt, dass unsere Entscheidungen, die eine lebenswerte Zukunft beeinflussen können, nicht primär davon geprägt sind, was wir wissen, sondern vielmehr davon, was wir fühlen und erfahren haben.
Vom Haben zum Sein
Unsere Entscheidung, in einer gewissen Weise zu handeln, ist stark davon geprägt, was wir schon als Kinder gelernt haben (Konditionierung) und mit welchen Emotionen wir bei der Entscheidungsfindung konfrontiert sind. Im Spiel ist ausserdem unsere Identifikation mit dem, was wir haben. Wir glauben, dass wir sind, was wir haben, anstelle uns mit unserem Sein zu identifizieren. Das ist meiner Meinung nach ein wesentlicher Grund für die Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen. Und diese Übernutzung wird es uns schwer machen, weiterhin einen lebenswerten Planet Erde zu bewohnen. Unsere Gesundheit, die Luftqualität, das Klima, die Lebensmittelversorgung und weitere verfügbare natürliche Ressourcen hängen stark von der Gesundheit des Planeten Erde ab. Wenn wir ihn zerstören, zerstören wir uns selbst. Für mich ist die Konsequenz daraus ziemlich klar: Wir müssen lernen zu sein und aufhören, uns damit zu identifizieren, was wir haben.
Dafür müssen wir uns persönlich entwickeln. Denn durch persönliches Wachstum (Persönlichkeitsentwicklung) können wir zu Menschen werden, die viel freier von Ängsten und Widerständen entscheiden und handeln können. Und dies ist meiner Meinung nach im Zusammenhang mit Konsum und der Nutzung natürlicher Ressourcen ein wichtiger Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft.
Umweltbildung heute
Die Umweltbildung heute arbeitet stark an der Befähigung ihrer Zielgruppen, indem sie ein umweltfreundliches Verhalten fördert. Damit meine ich, dass die Lernenden durch Umweltbildung vor allem ihre natürliche und soziale Umwelt erleben und dabei lernen, was das erforderliche Umweltverhalten wäre. Sie lernen mögliche Handlungsstrategien dafür kennen und sollten sich danach umweltfreundlich(er) Verhalten. Dies finde ich an sich eine sinnvolle Weise, das Thema anzugehen, um möglichst viele Leute zu erreichen. Dennoch hat jede Person ihre eigene Perspektive, respektive ihre eigene Wirklichkeit. Diese ist von externen sowie internen Faktoren geprägt. Und genau diese Wirklichkeit ist es, die am meisten Einfluss auf das umweltfreundliche Handeln hat.
Die Wirklichkeit der Teilnehmenden wird in der Umweltbildung einerseits berücksichtigt, indem ihre Angebote zielgruppengerecht gestaltet werden. Andererseits wird die ganz persönliche Wirklichkeit der Teilnehmenden wenig bis überhaupt nicht berücksichtigt. Dies könnte daran liegen, dass die konkreten Inhalte stark gewichtet werden und wenig Zeit und Raum für Individualität zur Verfügung stehen.
Lebenslanges Lernen
Für Kinder und Jugendliche gibt es schon viele verschiedene Umweltbildungsangebote, v.a. an ausserschulischen Lernorten. Auch mit dem neuen Lehrplan sollte eine Bildung für nachhaltige Entwicklung an den Schulen stattfinden. Für die Erwachsenen, die heutigen Entscheidungsträger, gibt es bereits Freiwilligeneinsätze oder Teamentwicklungstage draussen in der Natur, meistens im Bereich des Natur- und Kulturlandschaftsschutz. Bei diesen Angeboten geht es hauptsächlich darum, draussen aktiv zu sein und etwas Sinnvolles für die Umwelt zu leisten. Die persönliche und agogische Begleitung respektive die emotionale Ebene ist in den meisten Fällen nebensächlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Teilnehmenden danach für mehr Biodiversität auch mehr biologisch hergestellte Lebensmittel einkaufen, ist entsprechend klein.
Wir Erwachsene glauben oft, dass wir nach ein paar Jahren Berufserfahrung und Familiengründung ausgelernt haben und nun die jüngeren Generationen von uns lernen können. Natürlich können wir voneinander lernen, jedoch nicht nur die Jungen von den Erfahrenen. Auch Menschen mit viel Lebenserfahrung können jeden Tag etwas Neues dazulernen. Man kann also lebenslang lernen. Ausschlaggebend ist dabei die Anknüpffähigkeit an vorhandenes Wissen. Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig die Wirklichkeit des Einzelnen für den eigenen Lernprozess ist.